Blog

Studieren und (fast) jede Woche ein neues Land sehen? Das geht!

Letztes Semester habe ich mich dazu entschieden, im Ausland zu studieren… mit einem etwas ungewöhnlichen Programm.

Anstatt mit dem Flugzeug bin ich mit dem Schiff gereist, habe in einer Schiffskabine anstatt im Wohnheim gewohnt und habe vier Monate lang fast jede Woche ein neues Land kennenlernen dürfen. Dieses Programm namens “Semester at Sea” führte fast 600 Studenten zu 11 Ländern rund um den Globus. In dieser Zeit habe ich vier Mal den Äquator überquert und völlig neue Sichtweisen auf unseren Planeten bekommen.

Kein Schlaflied kommt der beruhigenden Wirkung des Wellengangs nahe, wenn man abends zu Bett geht. Irgendwann gewöhnt man sich einfach an den Klang, wie das Mittelmeer, der Atlantische Ozean oder der Pazifische Ozean an der Schiffsseite bricht. Die erste große Herausforderung war daher, “Fuß zu fassen” auf dem Schiff, wenn uns mal wieder eine Welle traf, die niemand erwartet hat. Nach ein paar Tagen hatten wir den Dreh aber raus und sind nicht mehr dauernd auf dem Weg zum Speise- oder Schlafraum durch die Gegend gestolpert oder einfach beim Lesen eingeschlafen (tatsächlich bin ich auf dem Schiff das einzige Mal in meinem Leben während des Unterrichts eingeschlafen!).

Sich an die Wellen zu gewöhnen war leicht im Vergleich zu anderen Herausforderungen

Mitten über den Ozean zu fahren bedeutet jedoch auch: kein Internet und kein Handyempfang. Ein oder zwei Tage ist das ja nicht so schlimm. Aber bereits auf dem ersten Stück der Reise, von Deutschland nach Griechenland, waren wir einfach NEUN TAGE ohne Internet oder Handyempfang. Stellt euch einfach mal neun Tage ohne Facebook, Instagram, Twitter, oder (noch schlimmer) Netflix vor! Unser Semester at Sea Email-Account und, für einen kurze Zeit, BBC News, waren unsere einzigen Kontaktmöglichkeiten zur Außenwelt. Nach einer Zeit jedoch begannen wir, unsere nutzlosen Smartphones in der Schublade zu lassen, und einfach mit dem Sonnenaufgang aufzustehen und mit dem Sonnenuntergang den Tag zu beschließen.

traveling by sea

Trotz aller Herausforderungen fühlte ich mich noch nie so frei

Fast jede Woche haben wir in einer neuen Stadt einem neuen Land angelegt: Erst Hamburg, dann Athen, Rom, Barcelona, und so weiter. Langweile kam nicht auf – vielmehr kam ich mir vor wie ein kleines Kind, das an Weihnachten der Bescherung entgegenfiebert – nur noch besser: Aufwachen, die Stadt schon mal vom Schiff aus betrachten, darauf warten, dass wir einreisen durften und dann in eine neue Welt eintreten, die wir noch nie gesehen hatten – schöner konnte ein Morgen nicht beginnen. Egal ob in Florenz, Marrakesh oder Jaco, jedes Mal lernten wir neue Sehenswürdigkeiten kennen, entdeckten Straßenkünstler, Persönlichkeiten, Gerüche, Klänge,… komplett neu und eindrucksvoll zugleich.

Diese Weise zu reisen erlaubte es uns, die Welt und ihre verschiedenen Gesellschaften kennenzulernen, mit all den Einflussfaktoren, wie Kolonialismus, Kriege, oder Politik, denen das Land ausgesetzt war. Wir haben nicht nur über Welt-Systemtheorie gelernt, sondern tatsächlich die Effekte dieser Einflüsse auf Europa und Afrika beobachtet. De-Industrialisierung war nicht nur ein Konzept, das wir für eine Klausur auswendig lernen mussten, sondern wurde Teil unserer Wirklichkeit, beispielsweise im Senegal oder Ecuador. In Brasilien konnten wir Kolonialarchitektur neben mit Mosaiken verzierten Gebäude besichtigen, genau wie in mittelalterlichen Bauten in Marokko. Aufgrund dieses Programms nehme ich die Wunder der Welt heute viel intensiver wahr. Ich habe gelernt, Menschen verschiedener Kulturen so zu schätzen wie sie sind, losgelöst von Vorurteilen und Stereotypen.

Semester at Sea ist kein typisches Auslandssemester

Manche Austauschstudenten bezeichnen später das Land, in dem sie für eine gewisse Zeit gelernt und gelebt haben, als ihre zweite Heimat. Wir hingegen fanden im Ozean unsere wahre Heimat mit einer 600-Mann großen Familien. Natürlich hatten wir Unterricht in Vorlesungsräumen (soweit man das auf einem Schiff so bezeichnen kann), aber die wichtigsten Lektionen haben wir von den Leuten und deren Kulturen gelernt, die wir auf Reisen kennengelernt haben. Eigentlich war die ganze Welt unser Klassenzimmer.

 

Profile photo of Pia

0

Pia

Pia is a 25-year old graduate business student and aviation professional from Germany, currently studying as an exchange student at the University of Chicago Booth Business School. Before that, she attained an undergraduate degree in Aviation Management at EBS University in Oestrich-Winkel. As an airline employee, she loves traveling around, even though flying as standby passenger is often an adventure itself. Especially after spending 54 hours at LAX airport, waiting for a flight to get on, you can ask her about any hacks how to survive in transit. During her travels, she captures the beauty of her surroundings with her beloved camera and shares them on her Instagram channel. At home in Frankfurt, you will mostly find her spending her leisure time with yoga, TRX training, or a good night out with friends.


Leave a Reply