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Die Leiden eines Austauschstudenten: Die richtige Balance finden

Als du dich für dein Auslandssemester beworben hast, hat deine Heimat-Uni sicherlich die wundervollen akademischen Erfahrungen und Vorteile betont, die du im Ausland sammeln wirst – und natürlich sollte sie das tun. Es heißt ja nach wie vor „Auslandssemester“. Die Erfahrungen, die du in deinem Studiengang in einem anderen Land sammeln wirst, sind unbezahlbar und werden dir sicherlich ganz neue Perspektiven verschaffen.

Trotzdem sollten dich deine akademischen Ziele nicht davon abhalten, dein neues Zuhause auch abseits des Vorlesungssaals kennenzulernen. Viele neue Eindrücke und Erlebnisse warten in deiner neuen Heimat auf dich und du solltest nicht nach Hause zurückkehren mit dem Gefühl, dort nie richtig angekommen zu sein. Wie also findet man die richtige Balance zwischen Uni-Leben und Freizeit während des Auslandssemesters?


1: Plane im Voraus

Dieser Tipp scheint zunächst einmal sehr offensichtlich, ist jedoch nicht weniger wichtig. Wenn du weißt, wann du Vorlesungen hast, wann Hausarbeiten fällig sind und wann Klausuren stattfinden, kannst du dir deine freie Zeit viel besser einteilen, um den Campus kennenzulernen, dich in Studentengruppen zu engagieren oder einfach die Gegend zu erkunden. Teil dir deine Zeit ein – Zeit für universitäre Aufgaben und Zeit für Freizeit – dann wirst du nicht das Gefühl haben, eine der beiden Seiten deines Auslandssemesters zu vernachlässigen.

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2: Sei realistisch

Eine massive Excel-Datei mit stündlichem Aktivitäten-Protokoll? Auch wenn ich dazu neige, übermäßig detailliert zu planen, ist dies meist unrealistisch und – ironischerweise – absolute Zeitverschwendung. Vorausplanungen sollten produktiv sein, und während kreative Excel-Sheets für 1% aller Studenten eine dauerhafte Lösung sind, halten die anderen 99% dies meist nur einen Tag durch. Ziel deiner Zeitplanung sollte es sein, zu wissen, welche Verpflichtungen an einem Tag auf dich warten und wie viel Zeit du für jede dieser Verpflichtungen einplanen solltest. Beispiel: Für mich als Tänzerin weiß ich genau, dass ich Tanzproben nächste Woche Montag, Dienstag und Donnerstag habe. Diese Zeit ist dann fest verplant, während mir in der restlichen Zeit die Möglichkeiten offen stehen Freunde zu treffen, einfach zu entspannen (obwohl dies nie passiert) oder weitere Tanzproben zu besuchen (das passiert deutlich häufiger).

Lass ein bisschen los und sei auch mal spontan. Nimm spannende Gelegenheiten wahr, wenn sie sich bieten, anstatt starr deine To Dos minutiös zu planen und zu befolgen. Finde deine realistische Mischung aus Vorausplanung und Flexibilität (auch wenn das manchmal schwer ist, aber dazu später mehr). Nur dann wirst du am Ende deines Auslandssemesters das Gefühl haben, nichts verpasst zu haben…

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3: Sei engagiert

Natürlich willst du akademisch alles aus deinem Auslandssemester rausholen. Dies sollte dich aber nicht davon abhalten außerhalb des Vorlesungssaals aktiv zu werden. Also: Trete einer Studentengruppe bei. Ich, zum Beispiel, bin kürzlich der NSU Modern beigetreten, einer Hip-Hop Tanzgruppe an der UCLA, die auch bei Wettbewerben mitmacht (obwohl ich dachte, dass ich dort niemals aufgenommen würde). Zusätzlich bin ich Teammitglied des Victoria Secret PINK Campus-Teams an der UCLA. Ich war erst sehr zurückhaltend, mich dort zu engagieren, aber tatsächlich habe ich bis jetzt jede Sekunde genossen und wundervolle Menschen kennengelernt, einfach weil ich die bestehenden Möglichkeiten genutzt habe. An meiner Heimat-Universität (King’s College London) habe ich sowas nie wahrgenommen; jedoch wusste ich, dass ich dies bereuen würden, wenn ich es an der UCLA nicht wenigstens versuchen würden.



Falls Aktivitäten im Rahmen der Uni nicht so dein Ding sind, schau dich doch mal in deiner lokalen Gemeinde um. Als Tänzerin in LA konnte ich relativ schnell einige Tanzstudios und -gruppen in meiner Nähe ausfindig machen und bin dort auch mehrmals pro Woche zum Tanzen (teilweise zu oft). Außercurriculares Engagement ist ein wunderbarer Ausgleich von der reinen Uni-Materie, daher sollte dein Motto folgendermaßen lauten: Raus aus der Komfortzone und versuch was Neues! Ich garantiere dir, du wirst es nicht bereuen.

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4: Engagiere dich nicht ZU sehr

Die Begeisterung in einem fremden Land zu leben und an eine neue Uni zu gehen, verführt schnell dazu, ALLES ausprobieren zu wollen, vor allem wenn es nur für ein paar Monate ist. In diesem Fall sollte man sich daran erinnern, dass man doch eigentlich zum Studieren hier ist. Dementsprechend ist es wohl nicht die beste Idee, den ganzen Tag mit Freunden und außercurricularen Aktivitäten zu verbringen, wenn morgen eine Hausarbeit abgegeben werden muss. Trotz aller Planungen solltest du dir Zeit zum Entspannen geben, um deine Akkus wieder aufzuladen. Du bist auch nur ein MENSCH, also gib dir ab und an Zeit für die Dinge, die dir guttun, genauso wie du regelmäßig Zeit zum Lernen einplanst.

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5: Experimentiere

Die richtige Balance zu finden kann sehr schwer sein, vor allem, wenn um dich herum alles neu ist. Experimentiere ein bisschen, damit du herausfinden kannst, was für dich die beste Mischung aus Uni, außercurricularem Engagement, sozialen Aktivitäten und einfach Chillen ist. Das wird dir sicher nicht von Anfang an gelingen, daher ändere immer mal etwas an deiner Routine. Die neue Sportart gefällt dir nicht? Dann probier’ halt eine andere! Nur weil eine Sache nicht für dich funktioniert, heißt dies nicht, dass gar nichts zu dir passt. Bleibe offen für Neues und sei nicht enttäuscht, wenn die Dinge anders laufen als gedacht. Kein Mensch macht alles richtig von Anfang an.

Und schlussendlich, erinnere dich immer daran, dass du diese wahnsinnige Chance wahrnehmen kannst, in einem fremden Land zu studieren – was für viele oft ein Traum bleiben muss. DU hast es möglich gemacht, mach das Beste draus! Nimm die Gelegenheiten wahr, die sich dir tagtäglich bieten und genieße jede Sekunde deines Aufenthalts. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass du dich mehr veränderst als du in diesem Moment wahrnimmst.

Translated by Pia Neudert. Click EN in top menu bar for the English version.

Profile photo of Charlotte Pickles

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Charlotte Pickles

Charlotte is a second year Philosophy student enrolled at King’s College London currently studying abroad at UCLA in Los Angeles, California. In addition to being a full time student, Charlotte is also a pre-professional dancer and spends most of her evenings training. Originally from London, Charlotte has spent nearly nine years of her life living in the United States, spending a year and a half in Manhattan, New York and six and a half years in Harrisburg, Pennsylvania. Though she is completing a year of study abroad at the moment, Charlotte permanently moved to Los Angeles when she arrived in California around six weeks ago. She will be returning to London in August 2017 to complete her final year of undergraduate study and after graduating she will be returning to the states where she will begin pursuing her post-graduate education. Charlotte loves to travel and loves to share her experiences on social media, so be sure to follow her Instagram to stay up to date with all her adventures!


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